Podcast im Rahmen des #mppb19

Ein Interview mit Expert*innen
im Rahmen des Medienpädagogik Praxiscamps #mppb19

Überblick

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Auf dem Medienpädagogik Praxiscamp 2019 in Leipzig, einem Barcamp für Medienpädagogik-Praktiker*innen und -Interessierte, hat Kristin Narr in einer Session dazu eingeladen, über Jugendbarcamps zu sprechen. Acht Menschen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen teilen ihre Erfahrungen in dem Interview.

Mit folgenden Kapitelmarken kann innerhalb des Interviews an eine bestimmte Stelle oder zu einer ausgewählten Frage gesprungen werden.

0:37 Vorstellungsrunde der Sessionteilnehmenden
3:44 Wie würdest Du jemandem erklären, was ein Jugendbarcamp ist?
4:17 Gibt es einen Unterschied zwischen Barcamps für Jugendliche und Barcamps für Erwachsene?
8:17 Wie seid Ihr mit Befürchtungen wie, ob Jugendliche zum Jugendbarcamp kommen und ob die Jugendlichen Themen mitbringen und Sessions anbieten, umgegangen?
14:30 Haben die Jugendlichen das Jugendbarcamp auch selber moderiert?
19:38 Gibt es ein Highlight bei euren Jugendbarcamps, von dem Du gerne erzählen willst?
23:42 Was sind Fallstricke? Worauf muss man achten? Was ist wichtig?
30:55 Gibt es noch einen Tipp oder eine Frage, den oder die Ihr loswerden möchtet?
31:55 Wie kommt man an die Jugendlichen ran, wenn sie das Format nicht kennen und es nicht in einem verpflichtenden Kontext wie z.B. Schule stattfindet?

Zum Nachlesen

Gibt es einen Unterschied zwischen Barcamps für Jugendliche und Barcamps für Erwachsene?

Felix: Ich würde grundsätzlich „Nein“ sagen, aber ich glaube, der Unterschied ist in unserem Kopf.
Es ging uns oft so, dass man den Jugendlichen nicht zugetraut hat, dass sie das alleine auf die Reihe kriegen und alleine auf die Idee kommen, Sessions zu planen. Und deswegen immer irgendwelche Pläne im Hintergrund geschmiedet wurden, und dann ganz oft die Gefahr besteht, eher in einen Workshop-Tag abzudriften.

Katharina: Ich hatte genau das gleiche Problem: Bringen die Jugendlichen überhaupt Session-Ideen? Und inwieweit können die, die eine Session anbieten, diese gleichzeitig moderieren?
Gibt es dann überhaupt Expert*innen, die Lösungen einbringen? Oder gibt es einfach nur eine Problemgruppe, die sich trifft und dann vielleicht versucht, daraus etwas zu entwickeln?
Jugendliche werden als Expert*innen ihrer Lebenswelt gesehen. Sie haben vielleicht einfach nur ein Problem. Aber dadurch, dass sie das Problem miteinander teilen, ist es für sie auch einfacher, eine Lösung zu entwickeln, die für sie in dem Moment passend ist.
Ein Barcamp bietet die Möglichkeit, sich miteinander auszutauschen, zu einer Lösung und zu Gesprächen zu kommen und auch zu Menschen zu kommen, die für die Jugendlichen sehr hilfreich sein können.

Wie seid ihr mit Befürchtungen darüber umgegangen, ob Jugendliche zum Jugendbarcamp kommen und ob die Jugendlichen Themen mitbringen und Sessions anbieten?

Katharina: Man hat Workshopideen, die man auspacken könnte, wenn es zu nichts kommt.
Am Abend, bevor unsere Veranstaltung war, haben wir uns gefragt: Was glauben wir, ist gerade aktuell an unserem Thema? Und wo liegen die Kompetenzen von unserem Personal?
Was gibt es für Hürden für Jugendliche, und auch für Ehrenamtliche, wenn sie auf einmal auf Leute treffen, die sie nicht kennen, aber trotzdem jetzt auf einmal gemeinsame Jugendarbeit machen sollen?
Bei uns saß in jeder Session, die angeboten wurde, jemand von uns mit drin, der/die auch nochmal Expertise und vielleicht auch Moderation mit einbringt und das Ganze ein bisschen ins Laufen bringt, falls es stocken sollte.

Anne: Bei uns wurden zu Beginn der Veranstaltung ein paar Expert*innen vorgestellt, die die Schüler*innen hinzuziehen können.

Ein paar Leute aus regionalen Unternehmen. Es war ihnen aber völlig frei gelassen, ob sie sich eine*n Erwachsene*n in die Session holen oder nicht. 
Manche haben es gemacht und manche nicht.

Felix: Das haben wir auch alles ausprobiert. Was wir auch ausprobiert haben, ist, dass wir Schülerinnen und Schüler aus älteren Jahrgangsstufen als Teilgeber*innen eingeplant hatten, die schon fast referatsartig Themen vorbereitet hatten. 
Aber im Endeffekt muss ich jetzt sagen, je mehr wir am Format rumgeschraubt haben, desto schwächer wurde es eigentlich. 
Die Sessions, die eigentlich überhaupt keinen Einfluss hatten, waren eigentlich die erfolgreichsten.
Und so ist ja eigentlich ein Barcamp auch gedacht.

Was sind Fallstricke?
Worauf muss man achten? Was ist wichtig?

Felix: Für mich sind die Rahmenbedingungen einfach das Wichtigste.
Ich muss gucken, ob da überall WLAN ist, ob es genug Räume gibt, dass es Essen gibt, dass es eine Art Aufenthaltsraum gibt. Das ist für mich ein Fallstrick. Aber das kann man gut planen.

Claudia: Was mir noch einfällt als Fallstrick ist diese innere Einstellung, also diese Wertschätzung.
Je nachdem, was für unterschiedliche Leute auf dem Barcamp sind.
Wenn es zum Beispiel Schüler*innen und Lehrer*innen sind, dass nicht doch irgendwie Hierarchien aufgemacht werden, sondern dass es diese Peer-Ebene bleibt.

Felix: Und was man vielleicht auch noch bedenken sollte: Barcamps sind ein junges, ein neues Format. Ich glaube, es braucht auch ein bisschen Zeit, bis sich junge Menschen an diese Formate „gewöhnen”.
Ich glaube nicht, dass man ihnen diese Formate beibringen muss.
Aber es ist klar, wenn ich zum ersten Mal ein Barcamp mache, und alle Jugendlichen, die da kommen, haben das noch nie erlebt, dann kann man auch nicht erwarten, dass es so ist wie bei Erwachsenen vielleicht, die schon auf mehreren Barcamps waren.

CC BY 4.0
Dieser Text entstammt dem Leitfaden “Jugendbarcamp – Leitfaden für ein offenes Veranstaltungsformat” und ist lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung bitte wie folgt: Interview über Jugendbarcamps von IJAB e.V., Lizenz: CC BY 4.0, leichte textliche Anpassungen und Umformulierungen von jugendbarcamps.de.