Podcast über das JugendPolitCamp

Ein Interview mit Birte Frische

Überblick

Das JugendPolitCamp vom ABC Hüll ist ein Barcamp für Jugendliche und junge Erwachsene rund um das Thema Politik.

Es findet bereits seit 2012 jährlich im Frühjahr in der Nähe von Hamburg auf dem „platten Land“ mit 40 bis 50 Jugendlichen statt. Das JugendPolitCamp ist eines der ältesten Jugendbarcamps in Deutschland.

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Das Interview mit Medienpädagogin Birte Frische gibt einen Einblick in das JugendPolitCamp.
Im Gespräch geht es u. a. um das Besondere am JugendPolitCamp, wie es ihnen gelingt, bereits im Vorfeld junge Menschen an der Organisation zu beteiligen, wo Schwierigkeiten liegen und welche Lösungswege sie gefunden haben.

Mit folgenden Kapitelmarken kann innerhalb des Interviews an eine bestimmte Stelle oder zu einer ausgewählten Frage gesprungen werden.

1:24 Was würdest Du jemandem erzählen, der noch nie von einem Jugendbarcamp gehört hat. Was ist das eigentlich und was ist das für Dich?
2:20 In „JugendPolitCamp“ steckt ja schon ein bisschen drin, worum es gehen kann. Es geht um Politik. Was ist das das Besondere an Eurem Barcamp?
3:35 Wie lang geht das Jugendbarcamp an sich?
3:48 Wie lange gibt es das Jugendbarcamp schon?
4:25 Wie seid Ihr dazu gekommen, das Jugendbarcamp zu veranstalten?
5:30 Wie alt sind die Jugendlichen, die an dem Jugendbarcamp teilnehmen?
6:14 Gib uns einmal ein paar Eindrücke zu den Themen. Was kann man da so erwarten? Was sind Themen, die sich immer widerspiegeln?
7:58 Wie läuft so ein Barcamptag bei euch ab? Wie sind die Tage gestaltet?
9:20 Was bedeutet Vorbereitung für das JugendPolitCamp, insbesondere im Zusammenhang mit der Beteiligung der Jugendlichen?
11:23 Hast Du einen Tipp, wie man mit der Beteiligung von Jugendlichen geschickt vorgeht?
14:35 Wenn du an die letzten sechs, sieben Jahre zurückdenkst, gibt es ein Highlight, das du gerne als Erfahrung hervorheben möchtest und das dir in Erinnerung geblieben ist?
17:48 Es gibt ja oft diesen Moment der Skepsis, dass da nichts von den Jugendlichen kommt. Wie nimmt man diese Skepsis und wie geht man damit um?
23:20 Welche Erfahrungen habt Ihr in Bezug auf die Bekanntmachung der Veranstaltung gemacht?
29:00 Welche Inhalte finden sich in Euren Bekanntmachungen? Sagt Ihr, dass es ein Barcamp ist?
31:18 Hast Du Tipps für jemanden, der noch am Anfang steht?

Zum Nachlesen

Was ist das Besondere an eurem Barcamp?

Das Besondere ist, dass es das Barcamp schon sehr lange gibt und dass es ein Barcamp zum Thema Politik ist – was erstmal sperrig klingt, aber mit sehr viel Leben gefüllt wird und ein sehr breites Spektrum von politischen Themen im engeren oder weiteren Kontext umfasst.
Und das Besondere ist, dass es mit Übernachtung und Verpflegung stattfindet. Das ist auch ein bisschen unserer Lage geschuldet. Man kommt da einfach nicht weg, wenn man einmal da ist.
Das heißt, die Jugendlichen sind vier Tage lang Tag und Nacht da. Das macht nochmal einen besonderen Charme aus, im Vergleich zu Barcamps, wo man morgens hinfährt und dann abends wieder wegfährt.

Was kann man an Themen erwarten und was spiegelt sich immer wider?

Natürlich spiegelt sich das Tagesgeschehen in der Politik wider, aber auch sehr oft die persönliche Situation oder Sozialisation der Teilnehmenden.
Eine Zeit lang waren zum Beispiel mehr Jugendliche dabei, die in Jugendparteiorganisationen waren. Themen sind auch kommunale Politik oder Protestformen.
Manchmal denke ich auch, man bekommt so mit, wie die Leute heranwachsen, sich mit verschiedenen Themen beschäftigen und ins Berufsleben kommen.Zum Beispiel, wenn sie selber pädagogisch arbeiten und dann Sessions anbieten zum Thema Sketchnotes, Moderation, Redeverhalten, Kommunikation, mehr auf einer Metaebene.
Wir haben auch viele Themen, wo man aus Förderersicht vielleicht nicht unbedingt denkt, das ist ein politisches Thema. Auch sowas wie Fußball war schon einmal eine Session, was aber aus einer Empowerment-Perspektive durchaus politisch war.
Es gibt die volle Bandbreite der Themen, auch sehr persönliche, was die Identität der Teilnehmenden angeht.

Welche Erfahrungen habt ihr in Bezug auf die Bekanntmachung der Veranstaltung gemacht?

Das ist eine ständige Baustelle. Wir werben recht viel, über die üblichen digitalen Kanäle, Papier ist da nicht mehr so das Ding.
Die meisten der Teilnehmenden kommen dann tatsächlich über Freunde, Bekannte, Geschwister, Mundpropaganda. Die wenigsten kommen, das evaluieren wir auch jedes Jahr, über Flyer oder Facebookwerbung oder so.

Ich glaube, das ist auch so ein bisschen dem Ort geschuldet. Das würde in Hamburg vielleicht etwas anderes sein.
Aber die Hemmschwelle, dahin zu gehen, wenn es fremd ist, ist auf jeden Fall noch einmal höher. Das Thema Inklusion und Öffnung allgemein für politikfremdere Zielgruppen ist auf jeden Fall ein großes Thema. Wir haben kein Problem, Teilnehmende zu finden, oft sind es dann Teilnehmende, die schon da waren, die Leute kennen.
Was man da leisten muss, ist, glaube ich, ganz viel Türen klopfen und Klinken putzen und mehr vor Ort machen, sei es in Flüchtlingsunterkünften, Lehrer*innenkonferenzen oder mehr an organisierte Gruppen herangehen.
Was wir probieren ist, dass wir die Veranstaltung medial sehr intensiv über die Social Media Kanäle begleiten und Foto- und Filmmaterial sammeln.
Es ist wichtig, erst einmal ein Bild zu schaffen: Was passiert da eigentlich?
Was tatsächlich auch von den Teilnehmenden kam, war, Erfahrungsberichte zu schreiben und zu veröffentlichen, kurze Statements, sodass nicht nur wir Erwachsene, sondern die Teilnehmer*innen selber zu Wort kommen.
Jugendliche selber sind die beste Werbung oder die besten Multiplikator*innen.
Es gab Angebote, an die Schulen zu gehen oder an die Uni, wo die Leute selber sind, und ich glaube, das müssen wir mehr nutzen. Und auch die Motivation der Leute, die sagen, wir wollen nicht nur Leute aus unseren eigenen Filterblasen, sondern wir wollen das Ganze ein bisschen öffnen.

Welche Inhalte finden sich in euren Bekanntmachungen? Sagt ihr, dass es ein Barcamp ist?

Ja, wir sagen, dass es ein Barcamp ist und erklären es. Wir hatten wegen des Namens einmal überlegt, weil das ein bisschen sperrig klingt und ich mich fragte, ob das abschrecken kann.
Wir haben dann nachgefragt und die Antwort war aber eher: „Nein, das lassen wir so.”
Das ist eine gute Frage, wie verkauft man das Format inhaltlich? Ich glaube, man muss es gut mit konkreten Inhalten und Beispielen füllen, weil Text einfach nicht gelesen wird.
Man braucht Bilder.
Oder Leute, die schon einmal da waren und das mit einer anderen Leidenschaft vermitteln können.

CC BY 4.0
Dieser Text entstammt dem Leitfaden “Jugendbarcamp – Leitfaden für ein offenes Veranstaltungsformat” und ist lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung bitte wie folgt: Interview über das JugendPolitCamp vom ABC Hüll von IJAB e.V., Lizenz: CC BY 4.0, leichte textliche Anpassungen und Umformulierungen von jugendbarcamps.de.