Podcast über die Jugendbarcamps der JTW Spandau

Ein Interview mit Anja Kubath, Meli Jaenicke und Angelina Streich

Überblick

Die Jugendtheaterwerkstatt Spandau veranstaltet seit 2013 jährlich ein Jugendbarcamp zu ganz unterschiedlichen, in erster Linie gesellschaftlichen Themen, wie zum Beispiel dem Klimawandel oder Sexismus.

Die Organisatori*nnen und die Teilnehmer*innen der Barcamps sind bunt, divers, laut, sie sprechen Themen provokativ und engagiert an.

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Im Interview berichten Anja Kubath, Meli Jaenicke und Angelina Streich von den Jugendbarcamps der JTW Spandau. Sie erzählen davon, wie die vielfältigen Themen zustande kamen und kommen und wie junge Menschen in hohem Grad in Planung und Durchführung einbezogen werden. Außerdem wird speziell die Frage angesprochen, wie mit der Unsicherheit, wie ein offenes Format oft mit sich bringt, umgegangen werden kann.

Mit folgenden Kapitelmarken kann innerhalb des Interviews an eine bestimmte Stelle oder zu einer ausgewählten Frage gesprungen werden.

2:27 Seit wann gibt es Euer Barcamp?
3:34 Wie würdet Ihr jemandem, der es noch nicht weiß, erklären, was ein Barcamp ist?
4:21 Zu den Jugendbarcamps der JTW: Ihr macht nicht immer das gleiche Thema, sondern seid sehr vielfältig. Wie kam das zustande?
9:29 War es bei den sieben Barcamps, die Ihr bisher veranstaltet habt, von vornherein so gedacht, dass da alle kommen können oder sind es Jugendveranstaltungen gewesen?
11:30 Bei Euch läuft ja vieles anders, auch gerade in der Organisation. Anja, wie kam das? Du hast einmal eine Fortbildung besucht. Und dann?
15:16 Was organisiert Ihr im Orga-Team?
23:32 Gibt es Highlights aus den letzten Jahren, von denen Ihr gerne erzählen wollt?
32:52 Im Barcamp kommt der Moment, in dem es heißt: „Wer eine Session anbieten möchte, kommt bitte nach vorne.“ Wie ist das?
35:00 Wie kommen die Teilnehmenden zu Euren Barcamps? Wie erfahren sie davon?
39:08 Welche Tipps gebt Ihr Menschen, die die ersten Schritte in Sachen Barcamp machen?

Zum Nachlesen

Ihr macht nicht immer das gleiche Thema, sondern seid sehr vielfältig. Wie kam das zustande?

Angelina: Wir haben 2013 angefangen mit einem Probebarcamp und versucht, das erst einmal für uns und unser Haus zu nutzen, gar nicht groß in die Gesellschaft oder Öffentlichkeit hinaus zu treten.
Für uns war das erst einmal ein guter Entwurf, ein guter Gedanke, eine Art Hausversammlung zusammenzufügen mit den Ideen, wie nächstes Jahr der Spielplan gefüllt werden kann.
Es hat angefangen damit, dass wir überlegt haben: Wie kriegen wir dieses Haus voll? Um dann zu gucken, was passiert aus diesen Ergebnissen, die wir gesammelt haben, heraus? Und irgendwann hat sich das gedreht.
Auch der Bedarf oder der Wunsch entstand, etwas mehr zu machen als „nur” das Haus zu füllen, sondern zu schauen:
Was ist gerade wichtig? Was ist für uns wichtig und was ist für uns relevant?
Und dann ging es in hohe gesellschaftspolitische Themen wie Feminismus, Politik und den Klimawandel. Das war dann quasi ein Prozess, ein Schritt von etwas Kleinem nur für uns bis hinaus in die weite Welt.

Anja, du hast einmal eine Fortbildung zu Jugendbarcamps besucht. Und was ist dann passiert?

Anja: Und dann war ich auf der Suche nach Jugendlichen, die Lust haben, so etwas zu machen.
Die eigentlich auch nicht wissen, worum es geht. Und Lust haben auf ein Wagnis.
Und ich hatte Unterstützung von Barcamper-Fachkräften, die sich auskennen. Wo ich wusste, ich kann sie dazu buchen und sie begleiten den Prozess.
Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Die Jugendlichen wussten es auch nicht. Aber was ich dabei gemerkt habe, ich wollte keine Themenvorgabe.
Ich wollte, dass die Jugendlichen das Thema selber benennen, sonst macht es keinen Sinn. Es ist ja ein partizipativer Ansatz im Barcamp.
Was dabei wichtig für mich war, wo ich unglaublich viel gelernt habe, war, dass die jugendlichen Tutor*innen die eigentlichen Fachkräfte sind. Auch die technische Seite, die mich anfänglich ein bisschen verwirrt hat und ich dachte: Warum machen wir das eigentlich oder wofür brauchen wir das eigentlich? Wie vernetzen wir uns dann?

Sie haben mir gezeigt: „Also technischer Art kannst du QR-Codes nehmen und dann kommt man auf ein Etherpad. Und Etherpads sind ganz klar, die funktionieren so und so.“ Es kamen immer sehr viele Ideen und Lösungen von den Jugendlichen selbst. Und da merkte ich auf einmal, ich hätte ein Barcamp gar nicht alleine stemmen können – von der technischen Seite und vor allem von der Manpower her nicht.

Im Barcamp kommt der Moment, in dem es heißt: „Wer eine Session anbieten möchte, kommt bitte nach vorne.“
Wie geht ihr damit um?

Meli: Wir sind dahin gekommen zu sagen, im Publikum sitzen und dann melden, ist wirklich eine sehr große Hürde, das ist ein Schul-Feeling und klappt nicht.
Deswegen haben wir es so gemacht, dass wir alleine schon von der Dynamik her gesagt haben: Wir stehen jetzt alle auf und stellen uns im Kreis auf, damit alle auf einer Ebene sind. So ist die Schwelle nicht so groß wie beim „Ich muss mich melden und vor allen sprechen“.
Das heißt, wir haben uns die letzten drei Jahre immer kreative Wege ausgedacht, um alle möglichst natürlich in einen stehenden Kreis zu bringen, weil dann der Erfahrung der letzten Jahre nach die Sessionideen sprudelten.
Die Leute haben gesehen, dass es okay ist, ich muss gar nicht Bescheid wissen, ich muss mich gar nicht vorher mit dem Thema beschäftigt haben und jetzt Recherche mitgebracht haben.
Einfach nur eine Frage stellen zum Beispiel reicht völlig aus.

Gibt es Highlights aus den letzten Jahren, von denen ihr gerne erzählen wollt?

Angelina: Ich habe eine Idee für ein Theaterstück präsentiert und in der Session erst einmal gesagt:
Wer bin ich? Was möchte ich machen? Wie habe ich mir das vorgestellt? Und wer hat da Lust?
Am Ende hatte ich eine Liste und ein Jahr später standen dann 18 Leute auf der Bühne und wir waren viermal hintereinander ausverkauft.
Das entstand aus einer Idee aus einem Barcamp. Denn, ja, so etwas kann auch dabei entstehen, etwas, das dann weitergeht.

CC BY 4.0
Dieser Text entstammt dem Leitfaden “Jugendbarcamp – Leitfaden für ein offenes Veranstaltungsformat” und ist lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung bitte wie folgt: Interview über die Jugendbarcamps der Jugendtheaterwerkstatt Spandau von IJAB e.V., Lizenz: CC BY 4.0, leichte textliche Anpassungen und Umformulierungen von jugendbarcamps.de.