Podcast über das Gamescamp

Ein Interview mit Sebastian Ring

Überblick

Eines der ältesten Jugendbarcamps in Deutschland ist das Gamescamp. Seit 2011 gibt es das Jugendbarcamp rund um die Themen Games und digitale Spielewelten.

Mehrere Einrichtungen arbeiteten bislang hier zusammen, um dieses Barcamp zu veranstalten: u. a. Initiative Creative Gaming e.V., Institut Spielraum/TH Köln, JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, Mediale Pfade, medien+bildung.com, Medienkulturzentrum Dresden, Medienzentrum Rheinland des LVR, Spawnpoint – Institut für Computerspiel, Spielbar.de, Spieleratgeber NRW/Computerprojekt Köln e.V., Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe.
Von Anfang an unterstützt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) als Förderer das Gamescamp.

💡
Im Interview erklärt
Sebastian Ring (JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis), was Jugendliche auf dem Gamescamp diskutieren: es geht nicht nur um’s Zocken, es werden auch gesellschaftliche, kulturelle und soziale Themen wie Ethik oder Jugendschutz angesprochen.
Er erzählt von dem Ablauf eines typischen Gamescamps und den vielen Variationen in der Durchführung über die Jahre. Außerdem wird die besondere Rolle der Erwachsenen als Joker erklärt.

Mit folgenden Kapitelmarken kann innerhalb des Interviews an eine bestimmte Stelle oder zu einer ausgewählten Frage gesprungen werden.

1:15 Wenn Du jemandem, der/die noch nie von einem Jugendbarcamp gehört hat, erklären müsstest, was das ist, was würdest Du ihm/ihr sagen?
2:16 Erzähle einmal, wie so ein Gamescamp üblicherweise abläuft und seit wann es das gibt.
7:47 Die Methode „Barcamp“ ist nicht sehr bekannt. Was wissen die Jugendlichen, die zum Gamescamp kommen? Wie bewerbt Ihr das Barcamp?
11:48 Manche Erwachsenen denken vielleicht, auf dem Gamescamp wird nur gezockt. Werdet Ihr mit solchen Vorurteilen konfrontiert?
14:17 Du sagst, das Thema „Games“ ändert sich gerade. Was meinst Du damit?
15:17 Ihr bietet den Erwachsenen beim Gamescamp eine besondere Rolle. Kannst Du darüber etwas erzählen?
21:29 Wie viele Gamescamps gab es schon?
23:12 Was war für Dich ein persönliches Highlight?
25:25 Das Barcamp als etwas Exklusives „ab vom Schuss“
27:23 Der Spirit eines Barcamps
28:45 Gamescamp on Tour
30:13 Die Organisation des Gamescamps

Zum Nachlesen

Manche denken vielleicht, auf dem Gamescamp wird nur gezockt. Werdet ihr mit solchen Vorurteilen konfrontiert?

Klar, wenn man mit Erwachsenen darüber spricht, taucht die Frage natürlich auf. Aber darum geht es im Gamescamp nicht, zumindest nicht vorrangig.
Das Gamescamp ist eine Plattform für Partizipation, auf der man über die Dinge, die man kennt und die man weiß, sprechen kann. Gerade Game sind – zumindest war das damals so, das hat sich ein bisschen relativiert über die Jahre – einfach für viele Jugendliche ein gutes Vehikel.
Sie haben Skills, sie wissen viel. Gerade auch diejenigen, die viel spielen, haben möglicherweise viel Erfahrung und dieses Wissen ist aber einfach nicht so ohne Weiteres anerkannt.
Es ist in der Schule sehr selten, in der Jugendarbeit vielleicht, aber oft auch nicht, mit den Elterngibt es oft Streit und Konflikte deswegen.
Wir sagen beim Gamescamp: Das ist jetzt hier euer Raum, zeigt doch, was ihr drauf habt, diskutiert mit anderen gemeinsam darüber. Klar muss man Jugendlichen auch erklären, wie so ein Barcamp abläuft, auch den Mitarbeiter*innen der Jugendhilfe.
Aber wenn man sich die ganzen Sessionthemen und Dokumentationen der letzten Jahre anschaut, dann ist es faszinierend zu sehen, dass sich ein Großteil um kulturelle, soziale Aspekte des Gamings dreht.
Eine Klassiker-Session ist zum Beispiel die zum Thema Ethik und Games, in der es um den Umgang miteinander, Gewalt oder Fragen des Jugendschutzes geht. Das wollen die Teilnehmenden diskutieren, aber eben aus ihrer Sicht.

Welche Rolle spielen Erwachsene beim Gamescamp?

Wir haben beim Gamescamp neben den Jugendlichen ein pädagogisches Team vor Ort. Leute, die unterstützen und die ganze Orga stemmen. Und dann haben wir noch ca. fünf Joker. Das sind Erwachsene, die Expert*innen in ihren jeweiligen Feldern sind.
Die Grundidee von einem Barcamp ist ja, dass die Expertise bei den Teilnehmer*innen liegt und von ihnen eingebracht wird.

Das trifft in weiten Teilen natürlich auf Jugendliche zu, aber es gibt manche Expertise und Aspekte, die die Jugendlichen schon allein wegen ihres Alters noch nicht haben und die zum Beispiel von Jurist*innen, Leuten die im Spielejournalismus, dem Gamedesign oder Jugendschutz arbeiten, eingebracht werden kann.
Da gibt es Expert*innen-Wissen, das wir verfügbar machen wollten. Sowohl für die Teamer*innen als auch die Joker gilt eigentlich, dass sie sich inhaltlich erst einmal raushalten.
Sie tauchen bei der Vorstellungsrunde ganz normal auf, stellen sich da auch mit ihrem Background vor und werden als Joker vorgestellt: Aber die Person ist sozusagen in erster Linie dazu da, dieses Wissen bereit zu stellen, das Jugendliche einfach noch nicht haben können. Sie hat keine aktive Rolle, bietet selbst keine Session an, sondern ist passiv abwartend und wird dann dazu geholt.

Wo kommen die Joker her? Setzt ihr sie oder geht das auf Ideen von den Jugendlichen zurück?

Teils teils. Beim ersten Gamescamp haben wir einfach überlegt: Was könnten interessante Themen und Leute sein?
Später haben wir das auch im Vorfeld bei der Anmeldung abgefragt. Es ist aber auch eine Organisationsfrage. Du musst die Leute rechtzeitig anfragen, damit du auch spannende Leute bekommst, und gleichzeitig ist die Anmeldung natürlich nicht schon ein halbes Jahr vorher abgeschlossen.Gerade bei Games erlebt man einen extremen Gender-Gap. Unser Anspruch ist, dass der Zugang zur Gameskultur nicht vom Geschlecht abhängen sollte. Nichtsdestotrotz, wenn man in Studien schaut oder auch in die Arbeitsfelder, ist es so, dass da noch ein Ungleichgewicht herrscht, und das versuchen wir eben durch sowas auszugleichen.
Dass wir im Team weibliche Teamerinnen haben und bei den Jokern nicht nur Männer zu sehen sind, sondern auch deutlich wird, dass da Frauen eine wichtige Rolle spielen.

CC BY 4.0
Dieser Text entstammt dem Leitfaden “Jugendbarcamp – Leitfaden für ein offenes Veranstaltungsformat” und ist lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung bitte wie folgt: Interview über das Gamescamp von IJAB e.V., Lizenz: CC BY 4.0, leichte textliche Anpassungen und Umformulierungen von jugendbarcamps.de.